20. 12. 2008  

Mit dem Nachtwächter durch die Altstadt

Von der HSG wurde am 17. 12. 2008 für die Sportgruppen "Fit ab 50" ein Rundgang durch die Altstadt angeboten. Pünktlich um 18.00 Uhr stellten sich die 27 Teilnehmer an der Petrikirche ein und wurden von dem "Nachtwächter" begrüßt. Er bat, den Turm zu besteigen per Treppe oder mit dem Fahrstuhl. In 38m Höhe erwarteten uns Kerzenlicht, Stollen, Glühwein und weihnachtliche Musik, geblasen auf der Trompete von einem Studenten der HMT. Es war so stimmungsvoll, dass bei dem Lied "O, du fröhliche.." viele leise mitsangen.

Stadtrundgang

Mit der Tasse Glühwein in der Hand stieg ich die Treppen 10m höher, um durch die Öffnungen auf die lichthelle Stadt zu sehen. In diesem Teil der Altstadt verbrachte ich einige Jahre meines Lebens, besuchte auch die Schule am Alten Markt. Mich berührte die Stimmung sehr, weil Gedanken sich einstellten, dass vor 20 Jahren St. Petri ein solcher abendlicher Besuch nicht möglich gewesen wäre.

Der Gang durch die Gassen wurde mit vielen ernsten und heiteren Informationen gewürzt. Bevor wir aufbrachen gab es den Hinweis: Die Glühweintassen "am Mann" zu halten. So konnten noch bei den einzelnen Stationen die Tassen wieder gefüllt werden. Wir hörten etwas über das Leben in der Altstadt und über das Dasein des Nachtwächters mit seinen Aufgaben und Pflichten. Bei Ausbruch des Feuers hatte er die Bewohner in den betroffenen Häusern zu "ermuntern", auf Dieberei und Hurerei zu achten und solches zu unterbinden. Auch ruhestörender Lärm war zu ahnden, dabei ging es sicherlich nicht immer friedlich zu.

Die Straßennamen erzählen noch heute von den Berufen, die dort ausgeführt wurden: Lohgerberstr., Gerberbruch, Küterbruch, Kleine u. Große Goldstr., Brauergasse, Altschmiedestr., Diebstr., Sackpfeife... Wir erfuhren beim "Küterbruch" von den Viehschlächtern, die für die Knochenhauer das Schlachten und Ausweiden der Tiere vornahmen. Die älteste Nachricht über den Standort der Schlachthäuser am Rande der Stadt stammt aus dem Jahr 1276. (Auf Plattdeutsch nennt man Eingeweide "Küt".) Das Fleisch wurde dann in der Großen Scharrenstr. verkauft.

Die kleine Gasse "Sackpfeife" am Alten Markt hat viele Namen in der Vergangenheit getragen, doch der niederdeutsche Scherzname hat sich bis heute gehalten. Eine kleine Tafel verkündet, dass hier der Rostocker Reformator Joachim Slüter wohnte.

Um 20.00 Uhr standen wir von dem Spaziergang in die Vergangenheit wieder auf dem Alten Markt. Es verabschiedete sich der "Nachtwächter", hinter dem sich der Historiker Rainer Schwieger verbirgt. Mir ist vieles über die Geschichte unserer Stadt bekannt, doch so unterhaltsam dargeboten war es eine Freude für mich. Die Glühweintasse wird mich immer daran erinnern.

Heidelinde Wulff